Wie sich die Landschaft in Braunschweigs Südwesten verändert hat

Timmerlaher Bruch – Anfang der 1990er Jahre wurde Acker in Grünland umgewandelt

Vor 30 Jahren sah die Landschaft im Südwesten Braunschweigs noch anders aus. Die kurze Zusammenstellung soll zeigen, was sich in dieser Zeit verändert hat und wie Ort und Landschaft gestaltet und mehr „Natur“ entstehen kann.
Broitzem war von Ackerflächen umgeben, eine Ortsrandeingrünung fehlte vollständig. Bis in die 1980er wurden Baugebiete ohne Eingrünung ausgewiesen. Auch eine Begrünung der Straßen fehlte. In der Landschaft gab es nur noch Acker, das wenige Grünland, das es einmal in Broitzem gab, war schon lange zu Ackerland umgewandelt worden. Entlang der Feldwege gab es weder Baum noch Strauch. Nur an den Straßen nach Stiddien, Geitelde und Rüningen standen Obstbäume und Linden.

Flurbereinigungen Groß Gleidingen und Broitzem

Die ersten Veränderungen zu mehr Natur in der Landschaft gab es Ende der 1980er Jahre durch das vom Amt für Agrarstruktur durchgeführte Flurbereinigungsverfahren Groß Gleidingen, zu dem auch Flächen in der Timmerlaher Gemarkung gehörten. Ziel des Verfahrens war es zwar, landwirtschaftliche Flächen zusammenzulegen und Feldwege auszubauen, es konnten aber auch Naturschutzmaßnahmen und die dafür erforderlichen Grundstücksankäufe gefördert werden, was von der Gemeinde Vechelde und der Stadt Braunschweig auch in Anspruch genommen wurde. Insgesamt wurden so 42 ha Acker in Biotopfläche umgewandelt. Die gesamte Niederung des Fuhsekanals von der Straße Teufelsspring bis zum Stichkanal nach Salzgitter wurde in Sukzessionsfläche und extensiv zu nutzendes Grünland umgewandelt. Fünf Landschaftsteiche wurden angelegt und im gesamten Bereich Gehölzpflanzungen vorgenommen. Vom Fuhsekanal bis zum Gleidinger Holz wurden entlang der Stadt- bzw. Gemeindegrenze Hecken gepflanzt.
Anfang der 1990er wurde das Flurbereinigungsverfahren Broitzem vom Amt für Agrarstruktur eingeleitet. Diesmal in der Gemarkung Broitzem und Teilen der Gemarkung Stiddien. Dabei wurden weitere Ackerflächen am Fuhsekanal aufgekauft und in extensiv zu nutzendes Grünland umgewandelt. Heute grasen auf den Flächen Gallowayrinder. Entlang der Gemarkungsgrenze Broitzem – Stiddien wurde zwischen Wiesenweg und der Straße von Broitzem nach Stiddien entlang des Grenzgrabens ein breiter Streifen aus der Ackernutzung genommen und eine Heckenpflanzung vorgenommen. Kurze Heckenstücke und Bäume wurden auch am neu ausgebauten Wiesenweg gepflanzt, der bis in die Gemarkung Stiddien verlängert wurde, so dass nun eine Verbindung zur Straße Teufelsspring entstand. Durch das Flurbereinigungsverfahren konnten auch Flächen getauscht und ausgewiesen werden, um das Neubaugebiet am Steinberg, den Radweg nach Stiddien und die Wegeverbindung am westlichen Ortsrand von der Stiddienstraße zum Wiesenweg anzulegen.

Neue Baugebiete
Durch Neubaugebiete, nicht nur in Broitzem, ergaben sich weitere naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen durch die Stadt Braunschweig, so dass mittlerweile die gesamte Niederung des Fuhsekanals aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung genommen worden ist. Auch wurden die neuen Broitzemer Baugebiete eingegrünt. Nun ist es möglich, um den gesamten Ort auf schön begrünten Wegen zu gehen. Und eine Besonderheit gibt es noch auf dem Steinberg. Da sich Feldhamster auf den guten Ackerböden in Braunschweigs Südwesten wohl fühlen, muss bei Verlust des Lebensraums neuer geschaffen und Hamster unter Umständen umgesiedelt werden. Dies ist mit dem Hamsterfeld zwischen Funkturm und Steinbergsiedlung geschehen, die ehemalige Ackerfläche wird seit einigen Jahren „hamsterfreundlich“ bewirtschaftet; wovon auch viele andere Säugetiere, Vögel und Insekten profitieren.

Naturschutzgruppe
In Broitzem gibt es seit einigen Jahren eine kleine Naturschutzgruppe, die in lockerer Verbindung zueinander steht und neben der Pflege der Obstwiesen am Wiesenweg und in Stiddien immer mal wieder kleine Naturschutzprojekte durchführt.
Angefangen hatte es mit den beiden Obstwiesen 2001 in Stiddien und 2007 in Broitzem. Seitdem finden Arbeitseinsätze statt, um die beiden Wiesen naturschutzgerecht zu entwickeln. Seit einem Jahr werden die Äpfel vermostet und der Saft kann erworben werden.
2013 wurde ein Nisthilfenprojekt durchgeführt. In der Großen Grubestraße wurde ein Artenschutzturm errichtet, der Vögeln, Fledermäusen und Insekten Wohnraum bietet. Ein Wildbienenhotel wurde auf dem Steinberg aufgestellt und viele Nistkästen wurden angebracht. Seitdem brüten Falken erfolgreich an der Scheune am Ortsausgang Richtung Stiddien. Teiche wurden angelegt und Biotopholz für die entlang des Fuhsekanals vorkommenden Waldeidechsen in die Landschaft gebracht. Ein besonderer Erfolg ist die Ansiedlung von Laubfröschen. 2016 wurden mit behördlicher Genehmigung Kaulquappen in einem Teich auf der Obstwiese in Stiddien ausgesetzt. Nun kommen sie mittlerweile in sechs Teichen zwischen der Stadtgrenze im Westen und dem Broitzemer Ortsrand vor. Auch die Ansiedlung des Storches war von Erfolg gekrönt. Im November 2019 wurde auf der Rinderweide am Wiesenweg ein Storchenhorst aufgestellt. Im Frühjahr 2020 schaute schon Pärchen vorbei und in diesem Jahr wurden die ersten zwei Jungstörche erfolgreich aufgezogen.

Vogelwelt wird reichhaltiger
Besonders die Vogelwelt hat von den vielen Naturschutzmaßnahmen profitiert. In den Grünanlagen an den Rändern der Neubaugebiete finden sich vor allem Blau- und Kohlmeisen, Mönchs- und Klappergrasmücken; ab und an lassen sich Dompfaffen, Schwanzmeisen und Grünspechte sehen. Entlang des Wiesenweges und im Timmerlaher Bruch leben Goldammern, Schwarzkehlchen und Neuntöter. In den Röhrichten am Fuhsekanal kann man Teichrohrsänger, Rohrammer und Feldschwirl hören, sehen kann man sie meist nicht. Dafür aber den Kuckuck, wie er nach den Nestern der Röhrichtbewohner sucht, um hier seine Eier abzulegen. Auch die Nachtigallen und der Gelbspötter, die sich gern in etwas dichteren Gehölzbeständen aufhalten, sind regelmäßig zu hören. Die Vogelwelt hat sich durch die vielen Naturschutzmaßnahmen gut entwickelt. Es sind aber auch mindestens zwei Arten in den letzten 20 Jahren verschwunden. Feldsperlinge und Türkentauben kommen in Broitzem nicht mehr vor.

Gib der Natur ein Zuhause – da wo du lebst.
Es gibt also noch einiges zu tun, um unseren Stadtbezirk weiterhin lebens- und liebenswert zu gestalten. Wer mehr erfahren oder in der Naturschutzgruppe aktiv werden möchte kann sich gern melden.
vorsitz@pronatur-bs-sw.de, 0170 265 9565